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Konsensprinzip
Die tragende Säule des Strukturvorschlags ist das Konsensprinzip. Konsens heißt nicht hundertprozentige Zustimmung. Das liefe auf Vetorecht und Blockademacht für jeden und jede hinaus. Der Strukturvorschlag geht nicht von einem rein quantitativen, sondern von einem qualitativen bzw. gewichteten Begriff von Konsens aus. D.h. wenn auch nach gründlichen Versuchen der Konsenssuche kein Kompromiss zustande kommt, können in solchen Ausnahmefällen trotzdem Entscheidungen getroffen werden, wenn sie nicht zur Existenzgefährdung für die Organisation führen. Praktische Erfahrungen in vielen Netzwerken oder auch in der Friedensbewegung der 80er Jahre zeigen, dass dies gut funktioniert. Zumal wenn es möglich ist, dass bei Entscheidungen, die nicht als Essential empfunden werden, Konsens besteht, Mehrheitsentscheidungen zu akzeptieren. Bisher funktioniert Attac auf dem Konsensprinzip. Eine Abgehen davon wäre auf demokratische Weise nur dann möglich, wenn darüber Konsens bestünde. Was bringt Konsens? Eine Hauptfunktion des Konsensprinzips besteht darin, ständige Dominanz von Mehrheiten, also Majorisierungen zu vermeiden, wie dies strukturell durch das auf dem Mehrheitsprinzip beruhenden Repräsentativsystem vorgegeben ist. Wenn wir das Majoritätsprinzip für die Attac Struktur für ungeeignet halten, dann nicht um irgendwelche Harmoniebedürfnisse zu befriedigen oder den Frust von Abstimmungsniederlagen zu ersparen. Vielmehr ist der Sinn des Konsenses die gleichberechtigte Einbeziehung aller Mitglieder, individuelle, Lokalgruppen und Organisationen, deren aktive Teilnahme und die größtmögliche Nutzung des Potenzials aller Beteiligten. Während das Repräsentationsprinzip die Tendenz zu Passivität und Zuschauerdemokratie bei den Repräsentierten begünstigt, "die verborgenen Mechanismen der Macht" (Bourdieu) aktiviert sowie Fraktionsbildung und ähnliche Dynamiken fördert, ermöglicht das Konsensprinzip, dass Entscheidungen von (fast) allen mitgetragen und umgesetzt werden. Identifikation mit dem Projekt und die Motivation für Engagement sind höher, als wenn Entscheidungen per Mehrheiten durchgesetzt werden. Beim Konsensprinzip kann nichts mit Mehrheit durchgepowert werden. Das Konsensprinzip hat darüber hinaus die positive "Nebenwirkung", dass der Konsensdruck die inhaltliche Diskussion anregt. Entscheidungen hängen in höherem Maße von der Qualität und Überzeugungskraft von Argumenten ab. Dies wird Attac in ganz besonderem Maße gerecht. Denn eine der beiden Hauptfunktionen von Attac ist es, einen gesellschaftlichen Raum zu bilden, "wo politische Lern- und Erfahrungsprozesse ermöglicht werden, ... in dem unterschiedliche Strömungen emanzipatorischer Politik miteinander diskutieren" (Selbstverständnispapier Aus einer E-Mail (2. Mai 2002) von Astrid Kraus, Koordinierungskreis Attac Deutschland Erstellt von: b:0;, letzte Änderung: Sonntag, 08. August 2004 [20:58:09 UTC] von b:0; | Impressum / Copyright |
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