Attac-Sketch-Modul zum Sozialabbau / Arbeitskreis Soziale Sicherung / München 5.3.04

 

 

Szene: Drei oder mehr Menschen stehen nebeneinander auf einem Unterdeck des Schiffes "Deutschland".

Eine/r guckt durch einen Feldstecher und sucht den Horizont ab.

 

Dialog:

A (mit Feldstecher): "Hm, Hm, Hm.........."

 

B: "Siehst du was ?"

 

A nimmt Fernglas ab und schüttelt den Kopf:

A: "Nix, absolut nichts, nicht mal unter Tarif...."

B zu C: "Was sucht er denn ?"

C: "Na was schon, Arbeitsplätze !"

B: (schlägt die Hände zusammen): "Ach du lieber Gott, wie naiv!"

A (schreit): "Vorsicht, da kommt schon wieder eine!!"

 

Szene: Alle drehen sich um und schützen sich mit erhobenen Armen vor einer Wasserwelle

 

 

 

B (schüttelt sich das Wasser vom Leib) "Was war das denn??"

 

A: "Das war wieder eine Reformwelle. Diesmal Harz II."

B (blickt um sich): "Wen hat es denn diesmal erwischt?"

A (blickt wieder durchs Fernglas): "Die Langzeitarbeitslosen. Die sind alle hopps über Bord gegangen. Da strampeln sie."

B: "Ja, und wo sind die Rettungsboote?"

A: "Nix Rettungsboote, die sollen sich mit dem Sparbuch und dem Einkommen der Freundin über Wasser halten."

Szenenwechsel

Erklärender Sprecher: "Ein Arbeitsloser ist noch an Bord geblieben. Und der trifft jetzt auf seinen "Fallmanager", wie es künftig beim Arbeitsamt heißt."

 

A (Fallmanager): Na Müller, von Ihnen hört man ja schöne Sachen. Sie haben ja Ihre Eingliederungsvereinbarung nicht unterschrieben. Wenn Sie so weitermachen gibt’s künftig kein Arbeitslosengeld II mehr, sondern nur noch Essenspakete!"

B (Müller): "Ja aber, das können Sie doch nicht machen!"

A: "Haben Sie eine Ahnung, was wir alles können – und das ist erst der Anfang. Sie könnten schon mal zur Probe die Maschinenteile unter Deck polieren."

B: "Hä???"

A: "Auch als studierter Kinderpsychologe sollten Sie froh und dankbar für jede Art von Tätigkeit sein, mein Lieber!"

B: "Aber bei dem untertariflichen Lohn kann ich ja nicht mal meine BAFÖG-Schulden zurückzahlen."

A: "Untertariflich – hören Sie bloß mit diesem Gewerkschaftsquatsch auf – das hat sich auch bald erledigt. Wie ich hier sehe haben wir für Sie übrigens einen festen Job gefunden – für drei Monate im Hamburger Hafen."

B: "Nach Hamburg? 800 Kilometer? Und meine Familie?"

A: "Seien Sie froh, dass wir Sie nicht 12 Monate am Horn von Afrika einsetzen!"

B: "Ich glaub mir ist nicht gut, ich muss mich übergeben....."

 

Szenenwechsel

Sprecher: "Wenn es einem schlecht ist, sollte man zum Arzt gehen!"

Arztszene

 

A (Arzt): "So, was fehlt uns denn?"

B: "Zunächst einmal........10 Euro!"

A: Das sagen alle. Und sonst?

P (hüstelt): "Husten. 30 Jahre Zementfabrik !"

 

  1. untersucht P. mit Stetoskop

 

A: "Ich habe zwei Nachrichten für Sie. Eine gute und eine schlechte."

B: "Zuerst die Gute."

A: "Sie haben eine Staublunge!"

B: "Und die schlechte?"

A: "Als Arbeiter können Sie sich ihre Krankheit gar nicht leisten."

B: "Wieso, ich zahl doch seit 30 Jahren ein?"

A: "Ja, in die Gesetzliche! Das reicht heute nur noch für ein Medikament von Aldi. Haben Sie noch nie was von der Gesundheitsreform gehört?"

B: "Hören Sie auf, diese Gesundheitsreformen macht mich noch richtig krank!"

A: "Krankheit, mein Lieber, können sich in Zukunft nur noch die Besserverdienenden leisten. Aber für Leute wie Sie gibt ja heute schon sehr preiswerte Sterbeversicherungen."

 

Szenenwechsel

B: "Da haben wir ja schon jemanden für die Sterbeversicherung!"

A: "Wieso Sterbeversicherung? Ich bin doch noch rüstig und außerdem auf

Jobsuche."

B: "Du ? Mit 70? Bei uns bekommt man doch schon mit 50 keine Arbeit mehr!"

A: "Aber ich muss doch unbedingt noch Eckrentner werden."

B: "Eckrentner, was ist denn das?"

A: "Das ist einer, der mindestens 45 Jahre lang eingezahlt hat. Dann kann er

sich am Schluss wenigstens die neue Praxisgebühr leisten."

B: "Ja hast du denn nicht privat vorgesorgt? Riesterrente oder so was? Eine

kleine Immobilie - ein Häuschen in Grünwald oder wenigstens eine Eigentumswohnung in Giesing?"

A: "Eigentumswohnung? Von wegen. Innenkabine Unterdeck!"

B: "Vielleicht wenigstens ein paar Aktien...?"

A: "Ja schon: 10 Stück... Telekom..."

B: "Also gut. Wir sind ja nicht so. Du kannst für 400 Euro bei uns in der Küche

arbeiten."

A: "Ja was kriege ich denn da an Rente? Ich muss ja noch Kranken- und

Pflegeversicherung zahlen! Da bleibt ja weniger als die Hälfte!"

B: "Das reicht doch noch für ein gebrauchtes Gebiss! Und einen Biss werden Sie

noch brauchen in diesen harten Hartzzeiten!"